
Ich selbst besitze zwar noch keinen eBook-Reader oder Tablet-PC, dennoch verfolge ich gerne deren technische und ästhetische Entwicklung. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie gerne bei den elektronischen Geräten auf die analogen Vorgänger referenziert wird:
Form, Größe, Gewicht und e-Ink-Druckbild der gängigen eBook-Reader erinnern schon beachtlich an die Auslaufmodelle aus Papier:

Noch weiter gehen gängige Tablet-PCs, die mit ihrer höheren Rechenleistung “echte” Bücher zu emulieren versuchen. Bei der Lese-Software des iPads zum Beispiel sind Buchblock und Falz nachgebildet und das Umblättern der Seiten animiert:

Auch die “Lagerung” der e-Books erfolgt nicht etwa in abstrakten Dateilisten, sondern schön übersichtlich mit Titelbild in einem Holzregal:
Eine neue Stufe erreicht nun ein eBook-Reader von Forschern des Korea Advanced Institute of Science and Technology (Kaist). Sie haben verschiedene Möglichkeiten der Navigation in Büchern auf ihre Software übertragen:
All diese Versuche, Aussehen, Funktionalität und “Feeling” der analogen Bücherwelt auf die digitalen Produkte zu übertragen, wirft bei mir Fragen auf:
- Soll lediglich der Umstieg auf eBook-Reader erleichtert werden? Funktioniert dies?
- Oder bieten traditionelle Bücher tatsächlich funktionelle oder ästhetische Vorteile, die es Wert sind, auf die digitalen Nachfolger übertragen zu werden?
Falls jemand weitere Beispiele für diese Entwicklung kennt, würde ich mich über Kommentare freuen. Ich finde sie jedenfalls interessant und bin gespannt, ob bald auch Blockbrüche, Eselsohren, Wasserflecken und andere Abnutzungserscheinungen eingebaut werden
(So weit hergeholt ist das mit den Abnutzungserscheinungen übrigens nicht, gibt es doch bei manchen Musikabspielgeräten mittlerweile Erweiterungen, die Rauschen, CD-Hänger oder LP-Kratzer simulieren…)


Ich würde sagen, eine gewisse Nostalgie seitens der Kundschaft und der Anbieter verleitet die Programmierer recht schnell dazu, trotz des unterschiedlichen Mediums, das traditionsreichere zu kopieren — wobei bei Tablets sicherlich einfach eine kosmetische Variable eine Rolle spielt, weil es farblich und möglich ist, im Gegensatz zu den allermeisten eReadern, weiße Seiten mit Schrift also schlicht als zu langweilig empfunden werden.
Ich denke, zumindest der Kindle mit seiner angenehmen Oberfläche kommt denjenigen, die nicht auf knallweiße Seiten im PC starren möchten, sehr entgegen. Alles das, was hier als Kopie des Althergebrachten beschrieben wird, erleichtert m.E. den Lesern die Orientierung. Oder mag jemand endlose Textwüsten, in denen es keinen “Haltepunkt” gibt? Auf die genannten Abnutzungserscheinungen kommt es m.E. nicht so sehr an.
Also ich könnte mit noch häßlicheren Teilen auskommen, wenn die Preise für die ebooks mal so sein werden, wie sie sein müßten. Klar ein gedrucktes Werk 4/4 farbig A4 Hardcover Volumenpapier Auflage 10.000 Seiten 196 + Umschlag, kostet schon mal um die 50.000. Das man das beim Kauf anteilsmäßig mitzahlt ist logisch. Aber da erwarte ich bei einem ebook einen deutlichen Preisunterschied, oder man geht gleich auf kostenlose ebooks
Peter