
Nachdem ich in einer früheren Anleitung die Koha-Installation mittels Virtual Appliance und deren Grundkonfiguration erläutert habe, möchte ich nun in die Vollen gehen und eine “richtige” Server-Installation durchführen.
In diesem Teil 1 dokumentiere ich, wie ich einen Server installiere und für die Installation für Koha vorbereite. Dieser Teil der Anleitung hat im eigentlichen Sinne noch nichts mit Koha zu tun, sondern kann allgemein für die Installation eines LAMP-Servers verwendet werden.
Wenn Sie bereits über einen funktionierenden LAMP–Server verfügen, können Sie direkt mit “Koha für Fortgeschrittene — Teil 2: Koha Pre-Installation” fortfahren.
Voraussetzungen:
- Unabhängiger, aktuell nicht benutzter PC (als Server)
- Internetanschluss
- USB-Stick (oder CD-R)
Ich gehe davon aus, dass für die Installation ein unabhängiger PC genutzt wird, aber theoretisch kann man die Installation natürlich genauso in einer Virtuellen Maschine nachvollziehen!
Mein Server-PC ist ein kleines VIA-Epia-Board, passiv gekühlt und stromsparend, dafür entsprechend langsamer. Es kann zum Testen zwar jeder beliebige Computer, der die Anforderungen für Ubuntu Server erfüllt, genommen werden (in der Regel ein “normaler”, gerne auch etwas älterer PC), allerdings kann ich mangels Erfahrung nichts über die Hardware-Anforderungen für ein Produktiv-System für Bibliotheken sagen.
1.) Erstellung eines Boot-Sticks
Ein Boot-Stick hat gegenüber einer Boot-CD den Vorteil, dass die Installation deutlich schneller abläuft. Außerdem scheint das Installationsmenü etwas von dem der Boot-CD abzuweichen (?).
1.1.) Zunächst lädt man das Ubuntu Server 12.04-ISO-Image herunter. Für meinen Server-PC benötige ich die 32-bit Version.
1.2.) Dann laden wir UNetbootin herunter, die Software mit der wir den Boot-Stick erstellen werden.
1.3.) Dann schließen wir einen USB-Stick (mind. 2 GB) an und starten UNetbootin.
1.4.) Wir wählen im unteren Bereich das Iso-Image aus, das wir vorhin heruntergeladen haben, und den USB-Stick, auf dem wir installieren möchten, und klicken auf ok:
2.) Grundinstallation des Ubuntu Server 12.04
Achtung! Alle Daten auf dem Server-PC werden komplett gelöscht!!!
2.1.) Nachdem das Image auf den Stick gepackt haben, booten wir den Server-PC von diesem Medium aus. (Falls der Stick nicht bootet, sind evtl. Einstellungen im BIOS nötig!) Bitte achten Sie darauf, dass der PC während der Installation per Kabel an das LAN angeschlossen ist und Zugang zum Internet hat. Sonst kommt es später zu Problemen.
2.2.) Es erscheint das UNetbootin-Boot-Menü. Hier wählen wir schnell vor Ablauf des Countdowns den Punkt “Install” aus.
2.3.) Die Installation von Ubuntu Server 12.04 erfolgt dann über eine pseudo-grafische Oberfläche und ist sehr einfach. Zunächst wählen wir die Sprache “German — Deutsch” aus und bestätigen mit der Enter-Taste:
Die Übersetzung ist nicht ganz vollständig, aber das soll uns nicht weiter stören. Wir bestätigen wieder mit Enter.
Dann wählen wir das Land aus, in dem wir uns befinden. In meinem Fall “Deutschland”. Weiter geht es wieder mit Enter.
Die automatische Tastaturerkennung wollen wir nicht nutzen.
Stattdessen wählen wir das Modell selbst aus:
Dann vergeben wir einen Rechnernamen, der für die Identifikation im Netzwerk von Bedeutung ist und daher im Netzwerk einmalig sein sollte. Ich nenne meinen Rechner “platon”.
Auch bei der Auswahl des Spiegelservers für den Download von später benötigten Dateien können wir die Standard-Auswahl (bei mir “Deutschland”) einfach bestätigen.
Falls man für das Netzwerk daheim einen Proxy benötigt, kann man das nun eingeben. Im Normalfall ist das so wie in meinem Netzwerk nicht nötig.
Nun lädt die Installationsroutine eine Weile zusätzliche Komponenten. Dann wird nach Name und Benutzername gefragt. Mir reicht beide Male “holger”:
Dann müssen wir ein Passwort vergeben und nochmals bestätigen:
Die Verschlüsselung für den persönlichen Ordner brauchen wir nicht zu nutzen:
Nun noch die Zeitzone bestätigen:
Und los geht es mit der Partitionierung der Festplatte. Hier verwende ich die Option “Geführt — vollständige Festplatte verwenden”. Die Festplatte wird dann im nächsten Schritt ausgewählt.
Die Sicherheitsabfrage, die zur Vernichtung aller Daten auf der ausgewählten Festplatte führt, müssen wir mit “Ja” extra auswählen und bestätigen.
Dann wird die Festplatte partitioniert und es installiert sich das Grundsystem. Dies dauert eine ganze Weile, bis die Frage nach der Aktualisierung des System auftaucht. Wir wählen “Keine automatischen Aktualisierungen”.
Bei der Softwareauswahl aktivieren wir mit der Leertaste den Punkt “LAMP server” und ziemlich weit unten den Punkt “Ubuntu desktop”:
(Hinweis: Fehlt der Punkt “Ubuntu desktop”, dann müssen wir dieses Paket nachträglich installieren. Dazu beenden wir zunächst die weitere Installation und landen nach einem Neustart und der Anmeldung im Terminal. Hier tippen wir ein:
sudo apt-get install ubuntu-desktop
Das Paket wird dann installiert und nach einem Neustart mittels “sudo shutdown –r now” landen wir in der grafischen Anmeldung und können mit dem Punkt 3. fortfahren.)
Für den MySQL Hauptbenutzer “root” sollten wir ein Passwort vergeben:
Am Ende der Installation wir der Bootloader GRUB in den Master Boot Record installiert:
Zum Schluss bestätigen wir noch die Systemzeit:
Damit ist unsere Grundinstallation von Ubuntu 12.04 Server erledigt. Nach dem Neustart (ohne Boot-CD!) und der Anmeldung mit dem Benutzerpasswort begrüßt uns der Standard-Desktop.
3.) Grundsystem aktualisieren & konfigurieren
3.1.) Als Nächstes benötigen wir das Terminal oder auch Shell genannt. Das Terminal öffnen wir durch Drücken der Tastenkombination Strg+Alt+T oder über den “Dash”-Knopf (linke Leiste, oberstes Symbol) und Eingabe von “Terminal”. Einen guten Überblick über die Grundfunktionen des Terminals/der Shell bietet das Wiki von Ubuntuusers.de.
Nun wollen wir das System über das Internet aktualisieren. Dazu tippen wir nun folgende Befehle in das Terminal (Hinweis: Jedes Zeichen muss exakt stimmen!):
sudo apt-get update
(Dieser Befehl muss mit dem Benutzerpasswort bestätigt werden.)
sudo apt-get upgrade
sudo apt-get clean
Mit diesen Befehlen wird die Software-Liste neu geladen, die Software selbst aktualisiert und am Ende der Cache geleert. Diese Befehle können wir immer wiederholen, wenn wir Ubuntu manuell aktualisieren wollen.
3.2.) Nun müssen wir noch eine kleine Einstellung am Web-Server vornehmen. Dazu öffnen wir im Terminal (wir sollten immer noch Superuser-Rechte haben) die Konfigurationsdatei des Servers im Editor:
gksudo gedit /etc/apache2/apache2.conf
Hier fügen wir ganz oben in der Datei diese zwei Zeilen ein und speichern ab.
# Define the server's name ServerName "KohaServer"
Dann schließen wir den Editor und tippen in das Terminal den Befehl um den Web-Server neu zu starten:
sudo /etc/init.d/apache2 restart
4.) Webmin installieren
4.1.) Nun installieren wir noch Webmin, eine Oberfläche zur einfachen Verwaltung später benötigter Server-Optionen. Dazu installieren wir zunächst gewisse benötigte Pakete über das Terminal (immer noch mit Superuser-Rechten):
sudo apt-get install perl libnet-ssleay-perl openssl libauthen-pam-perl libpam-runtime libio-pty-perl apt-show-versions python
Hinweis: solche langen Zeilen brauchen wir nicht abzutippen! Stattdessen kopieren wir sie mit Copy und Paste ins Terminal. Dabei ist zu beachten, dass im Terminal die Tastaturkürzel etwas anders sind: Strg+Shift+C (kopieren) und Strg+Shift+V (einfügen).
Bei der Nachfrage, ob wir wirklich installieren möchten, müssen wir mit einem großen(!) J bestätigen:
Nun können wir erstmal das Terminal schließen.
Stattdessen öffnen wir Firefox (drittes Symbol von oben in der linken Leiste) und laden von der Webmin-Homepage das “Debian package” herunter und starten die Installation durch Doppelklick auf die heruntergeladene Datei. Es öffnet sich das Ubuntu Software-Center, wo wir einfach nur noch auf “installieren” klicken müssen:
4.2.) Nun starten wir Webmin zum ersten Mal, indem wir im Firefox in die Adressleiste eintippten: https://localhost:10000/
Beim ersten Aufruf dieser Seite erscheint eine Sicherheitswarnung:
Da wir uns selbst vertrauen, klicken wir
- Ich kenne das Risiko
- Ausnahmen hinzufügen
- Sicherheits-Ausnahmeregel bestätigen
Dann können wir uns mit unserem Ubuntu-Benutzernamen und Passwort anmelden und gelangen so zur Weboberfläche von Webmin:
5.) Webserver testen
Nun können wir überprüfen, ob unser Server auch tatsächlich über das LAN verfügbar ist. Dazu brauche wir unsere lokale IP-Adresse. Die finden wir heraus, indem wir auf das Verbindungssymbol rechts oben in der Taskleiste klicken und “Verbindungsinformationen” anklicken:
Diese IP-Adresse tippen wir nun an einem anderen PC im lokalen Netzwerk in die Adresszeile eines beliebigen Browsers. Es sollte nun so eine Seite erscheinen:
Wenn wir in die Adresszeile des Browser eingeben https://IP-ADRESSE:10000 können wir uns in der Webmin-Oberfläche anmelden (wieder kommt die Sicherheitswahrung) und somit den Server von jedem beliebigen PC im lokalen Netzwerk verwalten:
Damit haben wir Ubuntu 12.04 Server installiert, aktualisiert und um das Programm Webmin erweitert, sowie den Zugriff darauf über einen zweiten PC getestet. Endlich ist der erste Teil dieser Anleitung abgeschlossen und wir widmen uns im nächsten Teil 2: Koha Pre-Installation.


































